Pferde

Wie sehen Pferde und was bedeutet ihr Sehvermögen für den Umgang mit ihnen?

Ein braunes Pferd steht mit allen vier sichtbaren Hufen auf einem Hof und blickt zu einer Person an einem Holzstall.

Praxisratgeber

Wie sehen Pferde und was bedeutet ihr Sehvermögen für den Umgang mit ihnen?

Pferde haben seitlich am Kopf ein breites Gesichtsfeld. Vor sich können sie einen kleineren Bereich mit beiden Augen sehen. Direkt vor der Nase und unmittelbar hinter dem Körper bleiben bei ruhig gehaltenem Kopf jedoch Bereiche außerhalb ihres Blickfelds. Mach deshalb ruhig auf dich aufmerksam, gib dem Pferd Gelegenheit, den Kopf zu bewegen, und beobachte seine Reaktion. Aus einer Schreckreaktion kannst du nicht erkennen, was es genau gesehen hat. IFCE über das Sehvermögen von Pferden

Ein braunes Pferd steht mit allen vier sichtbaren Hufen auf einem Hof und blickt zu einer Person an einem Holzstall.
Inhaltsverzeichnis
  1. Gesichtsfeld und Wahrnehmung von Pferden: Was die Forschung zeigt
  2. Reaktionen beim Annähern und Führen eines Pferdes erkennen
  3. Ein übersichtlicher Weg: Hindernisse, Lichtwechsel und ruhiges Führen
  4. Verändertes Sehvermögen oder Verhalten: Wann sollten die Augen untersucht werden?

Gesichtsfeld und Wahrnehmung von Pferden: Was die Forschung zeigt

Die Augen sitzen an den Seiten des Kopfes. Dadurch nimmt jedes Auge einen großen Teil der Umgebung auf seiner Seite wahr. Vor dem Pferd überschneiden sich die Gesichtsfelder. Dort kann es mit beiden Augen Entfernungen einschätzen. Die blinden Bereiche vor und hinter dem Pferd sind keine festen Flächen auf dem Boden: Kopfhaltung und Kopfbewegungen verändern, was es sehen kann. IFCE über Gesichtsfeld und Kopfhaltung

Was solltest du beim Umgang beachten?
Bereich Was ist bekannt? Worauf du praktisch achten kannst
Seitlich am Kopf Hier sieht das Pferd vor allem mit einem Auge. Begib dich in sein Blickfeld, bevor du näher kommst.
Vor dem Kopf Die Gesichtsfelder überschneiden sich, aber ganz nah kann ein Teil außerhalb des Blickfelds liegen. Gib dem Pferd Raum, seinen Kopf auszurichten, wenn es sich etwas ansieht.
Unmittelbar hinter dem Pferd Bei ruhig gehaltenem Kopf liegt hier ein blinder Bereich. Tauche nicht unerwartet direkt hinter dem Tier auf.

Pferde unterscheiden Farben, aber ihre Farbwahrnehmung unterscheidet sich von der des Menschen. In einem Verhaltensexperiment konnten die untersuchten Pferde unter bestimmten Bedingungen auch bei wenig Licht Farben unterscheiden. Ein solcher Versuch zeigt nicht, wie deutlich dein Pferd einen Gegenstand an einer bestimmten Stelle sieht. Achte auch auf Licht und Kontraste, wenn du dir einen Weg ansiehst. Studie zur Unterscheidung von Farben und IFCE über Kontraste

Reaktionen beim Annähern und Führen eines Pferdes erkennen

Schau zuerst, wo das Pferd steht und wie es seinen Kopf hält. Sprich es ruhig an, während du dich von einer Seite näherst, von der es dich sehen kann. Warte mit dem Berühren, bis es Gelegenheit hatte, dich wahrzunehmen. Bitte bei einem unbekannten Pferd oder wenn du unsicher bist eine erfahrene Begleitperson um Hilfe. Der sichere Umgang mit einem kräftigen Fluchttier erfordert Wissen und Erfahrung. LICG über den Umgang mit Pferden

Wird das Pferd beim Führen langsamer, dreht es den Kopf zu einer Stelle oder will es nicht weitergehen? Halte dort an, wo ihr Platz habt, und schau, was sich an dieser Stelle verändert. Denk an einen Gegenstand auf dem Weg, eine Bewegung daneben oder einen dunklen Durchgang. Zieh das Pferd nicht gegen sein Zögern weiter. Das Verhalten allein beweist kein Sehproblem: Auch Schmerzen, Angst und Stress können eine Rolle spielen. Besprich wiederkehrende Reaktionen mit einer fachkundigen Begleitperson und neues oder unerklärliches auffälliges Verhalten mit deinem Tierarzt. LICG über Verhaltensänderungen und UC Davis über Sehvermögen und Verhalten

Ein übersichtlicher Weg: Hindernisse, Lichtwechsel und ruhiges Führen

Ein abrupter Übergang in einen dunklen Raum kann das Pferd zögern lassen. Das ist kein Beweis dafür, dass Pferdeaugen sich immer langsamer an Dunkelheit gewöhnen als Menschenaugen. Sorge lieber für einen übersichtlichen Durchgang und achte auf die Reaktion des Pferdes, statt dich an einer festen Wartezeit zu orientieren. IFCE über Lichtwechsel

Checkliste für einen ruhigen Weg
Prüfe Was kannst du tun?
Den Weg Geh den Weg vorher ab und räume lose Gegenstände weg.
Den Durchgang Wähle einen Weg mit genügend Platz, um in Ruhe anzuhalten oder umzukehren.
Licht und Schatten Schau, wo sich die Beleuchtung ändert. Werde vor dieser Stelle langsamer und gib dem Pferd Zeit, sich umzusehen.
Eine wiederkehrende Reaktion Merk dir die Stelle und die Umstände, damit du sie gezielt besprechen kannst.

Verändertes Sehvermögen oder Verhalten: Wann sollten die Augen untersucht werden?

Reagiert ein Pferd auf einem vertrauten Weg plötzlich anders, notiere, wann das begann und was sich in der Umgebung verändert hat. Ein Tierarzt kann beurteilen, ob eine Untersuchung der Augen nötig ist. Aus Zögern oder Erschrecken kannst du selbst kein Augenproblem feststellen. UC Davis über neu auftretendes auffälliges Verhalten

Ruf sofort deinen Tierarzt an, wenn das Pferd ein Auge zukneift, auffällig stark tränt, das Auge trüb erscheint oder du eine Schwellung oder Verletzung rund um das Auge siehst. Solche Anzeichen können verschiedene Ursachen haben und erfordern eine schnelle Beurteilung. Gib keine Augenmedikamente ohne Rücksprache mit dem Tierarzt. Merck Veterinary Manual über Augennotfälle bei Pferden und UC Davis über die Kontaktaufnahme mit dem Tierarzt