Ziegen

Verhalten von Ziegen: Laute und Kontakt in der Gruppe verstehen

Drei Ziegen stehen auf einem Hof dicht beieinander neben einer Holzscheune; zwei schauen einander an.

Praxisratgeber

Verhalten von Ziegen: Laute und Kontakt in der Gruppe verstehen

Eine meckernde Ziege hat nicht automatisch Hunger. Achte darauf, welches Tier ruft, was unmittelbar davor passiert ist und wie die anderen Ziegen reagieren. Ziegen sind Gruppentiere, können sich aber auch im Charakter unterscheiden. Das übliche Verhalten deiner eigenen Gruppe ist deshalb ein guter Ausgangspunkt. Das LICG beschreibt ihr Gruppenverhalten.

Drei Ziegen stehen auf einem Hof dicht beieinander neben einer Holzscheune; zwei schauen einander an.
Inhaltsverzeichnis
  1. Produkte zu diesem Ratgeber
  2. Ziegen in ihrer Gruppe beobachten: Tier, Zeitpunkt und Anlass
  3. Meckern und andere Laute im Zusammenhang betrachten
  4. Böcke und weibliche Ziegen: Unterschiede beim Kontakt in der Gruppe
  5. Futterplätze, Ruhe und Störungen im Tagesablauf
  6. Plötzlich verändertes Verhalten: Wann fachlicher Rat nötig ist

Hilfreich zu diesem Ratgeber

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Futter auf mehrere Plätze verteilen

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Mit diesem Eimer transportierst du Futter durch den Stall oder zur Weide, wenn du mehrere Futterplätze nutzt.

Darauf solltest du bei der Auswahl achten Prüfe nach dem Verteilen, ob die Ziege, die oft wartet, jetzt in Ruhe ans Futter kommt.

Notiere einen Laut zusammen mit der Situation und vergleiche, was du zu anderen Zeiten beobachtest. Verändert sich das Verhalten eines Tieres plötzlich und scheint es ihm außerdem nicht gut zu gehen? Wende dich dann an einen Tierarzt.

Ziegen in ihrer Gruppe beobachten: Tier, Zeitpunkt und Anlass

Betrachte zuerst kurz die ganze Gruppe, bevor du zu einer rufenden Ziege gehst. Schreib auf, was du siehst, nicht, was das Tier deiner Meinung nach ausdrücken will. „Ziege A ruft, wenn die anderen Tiere hinter dem Stall verschwinden“ ist deutlicher als „Ziege A ist wütend“.

Nutze zum Beispiel diesen Beobachtungsbogen. Die ausgefüllte Zeile ist ein ausgedachtes Beispiel; sie zeigt, wie du eine mögliche Erklärung offenlässt.

Laute und Kontakt in der Gruppe festhalten
Tier und Zeitpunkt Laut und Anlass Reaktion der Gruppe Was hat sich verändert? Was prüfst du später?
Eigene Beobachtung Was hörst du und was ist unmittelbar davor passiert? Welche Tiere kommen näher, weichen aus oder reagieren nicht sichtbar? Notiere eine Veränderung in der Umgebung oder im Tagesablauf oder „nicht bekannt“. Kommt es wieder vor? Frisst und ruht dieses Tier wie gewohnt?
Beispiel: Ziege A, morgens Ruft, nachdem zwei Tiere hinter den Stall gelaufen sind. Ein Tier kommt wieder in Sicht. Keine Veränderung bekannt. Passiert das erneut, wenn die Gruppe außer Sicht gerät?

Wenn ein Rufen aufhört, sobald andere Ziegen zurückkommen, ist der Kontakt zur Gruppe eine mögliche Erklärung, die du weiter beobachten kannst. Das beweist noch nicht, warum die Ziege gerufen hat.

Meckern und andere Laute im Zusammenhang betrachten

In einer Untersuchung an einer teilweise frei lebenden Ziegengruppe in Namibia gab es laute Kontaktrufe bei Tieren, die weiter von der Gruppe entfernt standen. Die Rufe gingen mit einer anschließenden Verringerung des Abstands zwischen Gruppenmitgliedern einher. Daraus ergibt sich eine nützliche Frage, wenn du Rufe hörst: Wo steht das Tier im Verhältnis zum Rest der Gruppe? Es ist keine feste Übersetzung für jeden Ruf im Stall oder auf der Weide.

Auch der Klang allein verrät dir nicht mit Sicherheit, was los ist. In einer Untersuchung mit abgespielten Ziegenrufen reagierten Ziegen, wenn sich zwischen Aufnahmen aus unterschiedlichen Situationen die Art des Kontaktrufs änderte. Für dich bleibt vor allem diese Frage hilfreich: Was geschah vor dem Laut, und was änderte sich danach? Vergleiche zum Beispiel einen Ruf beim Füttern mit einem Ruf, wenn Artgenossen außer Sicht geraten.

Böcke und weibliche Ziegen: Unterschiede beim Kontakt in der Gruppe

Ein Bock ist eine männliche Ziege; mit „Ziege“ ist bei dieser Unterscheidung ein weibliches Tier gemeint. Notiere, wer bei wem bleibt, wer ausweicht und ob das beim Füttern anders ist als beim Ruhen. Leite nicht allein aus dem Geschlecht ab, warum ein Tier ruft oder ein anderes wegstößt.

Wenn Böcke und weibliche Ziegen in derselben Gruppe leben, beziehe die Paarungszeit als möglichen Zusammenhang ein. Das LICG beschreibt Veränderungen rund um die Paarungsbereitschaft und die Verbreitung von Gerüchen bei Böcken. Notiere auffällige Kontakte, ohne jeden Ruf oder Stoß der Fortpflanzung zuzuschreiben.

Futterplätze, Ruhe und Störungen im Tagesablauf

Treten Rufe oder Unruhe immer wieder bei derselben Handlung auf? Achte dann auch auf den Ort und den Ablauf. Laut LICG kann die Rangordnung beeinflussen, welche Ziegen beim Futter vorne stehen. Ein Tier, das immer wieder vertrieben wird, kann Schwierigkeiten haben, in Ruhe zu fressen. Mehrere gut erreichbare Futterplätze können dann helfen. Das LICG nennt auch einen trockenen Ruheplatz, den alle Ziegen gleichzeitig nutzen können.

Von der Beobachtung zur praktischen Überprüfung
Was siehst du? Was vergleichst du? Was überprüfst du?
Eine Ziege wartet beim Futter immer hinter den anderen Tieren. Passiert das bei jeder Fütterung? Wird immer dasselbe Tier weggeschickt? Können die Tiere die Futterplätze erreichen? Prüfe nach einer Anpassung erneut, ob gerade diese Ziege Gelegenheit bekommt zu fressen.
Ein Tier weicht beim Ruhen immer wieder aus. Hat sich der übliche Ruheplatz verändert? Was machen die anderen Tiere dort? Ist der Platz trocken und erreichbar, und können die Tiere ihn gleichzeitig nutzen?
Die Gruppe reagiert bei einer regelmäßig wiederkehrenden Handlung. Beginnt das Verhalten vor, während oder nach einer Handlung, etwa dem Saubermachen oder dem Öffnen eines Tors? Notiere die Handlung und beobachte, was zu einem anderen Zeitpunkt passiert. Gib dem Laut nicht sofort eine einzige Bedeutung.

Wenn du etwas veränderst, notiere, was du angepasst hast, und beobachte dieselben Tiere erneut. So siehst du, ob sich ihr Verhalten mitverändert, ohne aus einer einzelnen Beobachtung auf eine Ursache zu schließen.

Plötzlich verändertes Verhalten: Wann fachlicher Rat nötig ist

Eine Ziege, die nach einer erkennbaren Störung kurz ruft, ist etwas anderes als ein Tier, das plötzlich träge wird oder sich absondert. Achte bei einer solchen Veränderung auch darauf, ob die Ziege frisst, bei der Gruppe bleibt und sichtbare Verletzungen oder auffälligen Kot hat. Das LICG nennt plötzliche Teilnahmslosigkeit und Absonderung als mögliche Anzeichen einer Erkrankung und rät, einen Tierarzt zu verständigen, wenn du vermutest, dass eine Ziege krank ist.

Ruf den Tierarzt an, wenn eine Ziege plötzlich deutlich teilnahmslos ist, sich absondert, nicht fressen will oder verletzt ist. Sag ihm, um welches Tier es geht, wann die Veränderung begann und was du sonst noch beobachtet hast. Warte dann nicht auf den nächsten Ruf, um zuerst die Bedeutung des Lauts zu klären.